Pressemitteilung
Statement zu einer möglichen Olympia-Bewerbung
Tobias Ruff zu einer möglichen Olympia-Bewerbung München
Die Olympischen Spiele sind ein Mega-Event, in dessen Glanz sich Politiker gerne sonnen, das der Bevölkerung aber in vielerlei Hinsicht teuer zu stehen kommt. Die Erfahrung zeigt: Austragungsorte kämpfen immer mit immensen Kosten und langfristigen negativen Folgen. Paris kalkulierte mit 2,4 bis 3 Milliarden Euro, die tatsächlichen Kosten belaufen sich auf 7,7 Milliarden. Die bloße Bewerbung würde München mindestens 7 Millionen Euro kosten – und, dass in einer ohnehin angespannten Haushaltslage.
Hinzu kommt das Problem der steigenden Lebenshaltungskosten. Die Olympische Spiele der vergangenen Jahre haben die Gentrifizierung beschleunigt und die Mieten explodieren lassen. Barcelona erlebte rund um die Spiele einen Mietpreisanstieg von 144 %, ähnliches wurde in London und Sydney beobachtet. Tausende Münchner könnten durch steigende Mieten und Immobilienpreise verdrängt werden.
Das IOC selbst steht immer wieder wegen Korruption und undurchsichtiger Vergabeverfahren in der Kritik. Die Verträge gehen zu Lasten der Austragungsorte, die alle Risiken allein tragen müssen und kaum Mitspracherechte haben. Die Gewinne streicht dann zum größten Teil das IOC ein. Die Sportstätten in München sind größtenteils marode und müssten aufwendig und teuer saniert werden.
München braucht keine zweifelhaften Sportevents, die kurzfristige Partylaune, aber langfristige soziale und wirtschaftliche Belastungen hinterlassen. Die European Championships haben gezeigt, dass Sportbegeisterung auch ohne Mega-Events entfacht werden kann – ohne Milliardenausgaben und ohne ethisch fragwürdige Verbände wie das IOC.
Wir müssen uns auf die wichtigen Themen konzentrieren: die Förderung einer nachhaltigen Infrastruktur, des Breitensports und der sozialen Gerechtigkeit. München darf sich nicht vom olympischen Glanz blenden lassen – denn die Rechnung wird die Stadt zahlen, lange nachdem die Spiele vorbei sind.